Blog Herzsegen

Heute gibt es einen Gastbeitrag von Autorin Lydia Ruckensteiner.

 

Die Trauer – und das Schreiben

 

Trauer. Tja, was soll ich dazu sagen….

Trauer ist so vielfältig wie das Leben selbst. Sie hat viele Gesichter. Jeder trauert anders, jeder verarbeitet Verluste anders. Und sehr oft muss die Trauer keinen Todesfall als Auslöser haben.

Trauer entsteht sehr oft auch in Fällen des Loslassen-Müssens.

 

Bei Trennungen z.B., bei Umzug, beim Auszug der eigenen Kinder. Oh ja, es gibt vieles, das Trauer in uns auslösen kann.

 

Ich durfte es des Öfteren schon am eigenen Schmerz erspüren, wie Trauer sich anfühlt.

Auch habe ich schon Trauer durchlebt, bei denen noch nicht mal eine konkrete Situation eingetroffen war. Schon sehr früh hat sie mich begleitet, die Trauer – und noch öfter die Angst.

 

Angst um nahestehende Menschen, um deren Leben ich gebangt hatte. (Diese Lebensbedrohungen, die da so riesig im Raum standen, brachten furchterregende Schreckensgedanken mit sich – „Kopfkino“ mit eingeschlossen)

 

Immer wieder gab/gibt es Anlass für schlimme Bilder, die mir den Atem stocken lassen und mir die Kehle zuschnüren. Nur in einigen Fällen war es tatsächlich der Tod, der der Grund dafür war.

 

Eines habe ich dabei aber gelernt: es gibt nur den Weg durch die Trauer hindurch, durch die Angst hindurch. Es gibt kein „Rundherum“, kein „Ausweichen“, kein „Abbiegen“…..

 

Es gibt nur den einen Weg: mitten durch.

 

Manche zerbrechen an diesem Weg, er ist zu steil, zu schwer, zu mühsam.

Manche lernen dadurch eine andere Sicht auf die Dinge, auf sich selbst, auf das Leben an sich, kennen.

Zu oft steht das „Warum?“ als riesiges Monster vor uns, zu oft lassen uns quälende Gedanken, manchmal auch Schuldgefühle, nicht zur Ruhe kommen.

Zu oft schieben wir die Möglichkeit des Verlustes einfach lachend beiseite, solange alles gut ist. Solange das Glück uns hold ist und wir uns nicht damit beschäftigen müssen, dass auch alles plötzlich ganz anders sein könnte.

 

Wir leben und handeln, als wären wir so sicher, dass dies alles ewig bleibt.

Doch Leben ist Veränderung. Es ist Geben und Nehmen. Es ist Wachsen und Vergehen. Es ist Geburt und Sterben.

Ich beschäftige mich seit einer großen Lebenskrise vor einigen Jahren intensiv mit der Vergänglichkeit allen Seins. Einschließlich dem eigenen und dem von Menschen, die ich unendlich liebe.

Diese Krise hat mich in mein Inneres geführt. Zu meinem Kern, zu meinem Selbst, zu meiner Seele.

Ich habe begonnen, zu schreiben. Schreibend kann ich vieles besser verarbeiten. Es hilft mir, meine Gedanken zu ordnen und sie sichtbar zu machen.

Es zeigt mir meine Stärken und Schwächen auf, es führt mir meine Licht- und meine Schattenseiten vor Augen. Ehrlichkeit mir selbst gegenüber ist Grundvoraussetzung, doch – warum sollte ich mich schreibend selber belügen?

Schreiben kann nur dann heilsam sein, wenn ich alles beleuchte. Ehrlich. Schonungslos.

Nur dann kann es dazu führen, sich zu öffnen, innere Räume zu entdecken und die Seele zu spüren.

Sehr oft entstehen Texte, bei denen ich vom Verstand her gar nicht erfassen kann, was ich denn da schreibe, weil meine Seele die Feder führt. Weil ich mich drauf einlasse, geführt zu werden. Egal, was dabei herauskommt.

In meinem Fall entstehen dadurch die wunderschönsten Gedichte, die ich nur aus dem Verstand geschrieben, niemals so formulieren könnte.

Ich schreibe inzwischen auch lange schon für andere. Gedichte oder Texte für alle Anlässe. Ganz individuell. Mir wird oft nachgesagt, dass meine Worte heilsam sind, dass sie andere auf eine eigene Weise berühren.

Ich liebe Gedichte. Ich liebe Poesie.

Poesie tut gut. Sie zwingt mich, die Welt anders zu betrachten, im Moment zu leben, zu erfassen, was ich wahrnehme. Und dann bringe ich mein Fühlen auf das Papier. Ich male mit Worten. Ich spüre das Fließende, das Weiche, Sanfte, die Melodie des Lebens und drücke es in Worten aus.

 

Schreiben führt mich zurück zu mir, wenn ich mich verloren habe – in der Angst, in der Trauer, im Zweifel.

 

Schreiben eröffnet neue Wege, neue Sichtweisen und es tut einfach gut.

© Lydia Ruckensteiner 

www.wort-geist-seele.at

Über leben- Sterben- Lieben & Glauben

 

Auf meinem Blog findest du Gedankenimpulse und Gedankensplitter von mir, zu den oben genannten Themen. Auch Gastbeiträge gibts hier immer wieder mal.

 

Viel Spaß beim Lesen,

Isabel